„Kögida“ kam nicht weit

© Bündnis: Köln gegen Rechts
© Bündnis: Köln gegen Rechts

Ein Dankeschön geht zu aller erst an alle Teilnehmer/innen der Kundgebung von „Köln gegen Rechts“, an Euch, die ihr dem Aufruf gefolgt seid, gegen „Kögida“ klare Kante zu zeigen. Das Szenario war absurd. Das Häuflein der „Kögidas“ war auf der Nordhälfte des Bahnhofsvorplatzes von der Polizei eng „gekesselt“ durch einen Ring von Polizeifahrzeugen. Außer ihren Schwartz-rot-gelben Fahnen war von ihnen nichts zu sehen. Ihre Redebeitäge waren kaum zu hören. Denn rund um die südliche Seite des Platzes und auf der Domplatte über dem Bahnhofsvorplatz sangen, trom-
melten, pfiffen und schrien über drei Tausend gut gelaunte Gegendemonstrant*innen.

Durch unsere im Vorfeld getätigten zahlreichen Anmeldungen für Kundgebungen konnten wir den Bewegungsspielraum der „Kögida“-Versammlung stark eingrenzen.

Letztendlich konnten sie, hermetisch abgeriegelt von der Polizei, lediglich 500 Meter auf einer Strasse ohne Wohnhäuser und Laufpublikum geradeaus marschieren und dann wieder zurück. An den Polizeisperren zu den Seitenstraßen wurden sie immer wieder von dem Gejohle der Gegendmonstrant*innen empfangen, die auf der Parallelstrasse spontan einen begleitenden Demonstrationszug organisiert hatten.  

An der Versammlung von „Kögida“ nahmen in etwa 120 Personen teil. Das ist deutlich weniger als in der vergangenen Woche am 05.01. und als für Mittwoch angekündigt waren. „Kögida“ bestand dabei hauptsächlich aus „Pro Köln/Pro NRW“-Mitgliedern und Funktionären, die auch mit Redebeiträgen auftraten, sowie vor allem aus Neonazis und (teilweise betrunkenen) „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa).

© Redaktion Kein Veedel für Rassismus
© Redaktion Kein Veedel für Rassismus – Fotoinfo: Die Beschäftigten des Buchverlages Kiepenheuer und Witsch (KiWi) hängten selbstgemalte Transparente ins Fenster. Darauf stand: Freiheit + Vielfalt

Diese versuchten während der gesamten Demonstration Pressevertreter/innen und Gegendemonstrant/innen, teilweise vermummt, anzugreifen.  Hier ist das Verhalten der Polizei auch diesmal wieder zu kritisieren. Bereits am 05.01. ging die Polizei mehrmals mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen friedliche Sitzblockaden vor, während gewaltbereite Nazis ohne Polizeibegleitung im Deutzer Bahnhof Passanten und Gegendemonstrant/innen attackieren konnten. Dies wiederholte sich gestern, nach der HoGeSa-Demo am 26.10. und der Kundgebung in Deutz, zum dritten Mal. Gewaltbereite Nazis konnten auch diesmal auf der Abreise von der Polizei fast unbehelligt Gegendemonstrant/innen und Passanten/innen angreifen. * Zum Glück konnten sie von uns zurückgedrängt werden.

Der Großeinsatz der Polizei schien wieder einmal hauptsächlich darauf ausgerichtet gewesen zu sein Blockaden oder Behinderungsaktionen gegen die Nazidemo zu verhindern.

Das Bündnis „Köln stellt sich quer“ (Kssq), das ursprünglich geplant hatte eine Demonstration und Kundgebung durchzuführen, um der Opfer des Anschlages auf das französischen Satire Magazin „Charlie Hebdo“ zu gedenken, machte zeitgleich eine Kundgebung am EL-DE-Haus mit anschließendem Trauermarsch zur Domplatte. Auch hier beteiligten sich bis zu 3.000 Personen.

„Kögida“ hat weitere Demos für die nächsten Mittwoche ausgehend vom Bahnhofsvorplatz (Ausgang Domseite) angekündigt. Es ist davon auszugehen, dass es auch dann wieder fast reine Nazidemos werden.

Das Bündnis „Köln gegen Rechts“ ruft dazu auf, am Mittwoch, dem 21.01.2015 um 17:30 h wieder zum Platz an der Kreuzblume in der Trankgasse zu kommen.

Auch diesmal gilt: „Kögida“ kommt nicht weit
Link zur Facebook-Veranstaltung HIER
+++ Achtet auf weitere Ankündigungen +++

Artikel: Köln gegen die Verdummung des Abendlandes, von Frank Gerstenberg

 

* Nach der „Kögida“-Demonstration wurde eine Gruppe Nazihooligans von Polizisten zur U-Bahnhaltestelle Köln Hbf geleitet. Obwohl die Neonazis vermummt waren (u.a. mit Sturmhauben) und immer wieder Passanten bedrohten, griffen die begleitenden Polizisten nicht ein.
Kurz darauf wurden die pöbelnden Neonazis ohne jede Polizeibegleitung in die U-Bahn Linie 18 verfrachtet. Wenige Minuten später kehrten sie mit einer U-Bahn auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig zurück, stürmten vermummt aus der Bahn und griffen wahllos Passanten und Menschen an, die sie für Antifaschist*innen hielten. Schließlich konnten sie zurückgedrängt werden und wurden anschließend von der Polizei festgesetzt.